Projekt "Obstbaumlehrpfad"

Streuobstwiesen sind gefährdet

Beim traditionellen Streuobstbau sind hochstämmige Obstbäume locker über die Landschaft "gesteut" - im Gegensatz zu den modernen Obstplantagen, in denen die Bäumchen Spalier stehen müssen.
Streuobstwiesen mit den landschaftsprägenden hochstämmigen Obstbäumen gehörten früher wie selbstverständlich zur bäuerlichen Kulturlandschaft. In den vergangenen 40 Jahren ist der Anteil dieser Grünlandflächen zurückgegangen; der Baumbestand, das Obstsortenspektrum und die Nutzung haben sich nachteilig verändert, dass Streuobstwiesen heute in regional unterschiedlichem Umfang als gefährdet angesehen werden müssen.
Besonders bei uns in Süddeutschland prägen Streuobstwiesen mit ihrem parkartigem Charakter immer noch ganze Landschaften. Oft sind sie als breite Gürtel um dörfliche Siedlungen oder einzelne Gehöfte angelegt und verbinden die bebaute Fläche mit der Feldflur. Im offenen Gelände wirken sie zusammen mit Baumreihen oder markanten Einzelbäumen gliedernd und auflockernd. Typisch für den Südschwarzwald ist die Nutzung auch dorfferner meist steiler Lagen als Streuobstwiesen.

Funktionen der Streuobstwiesen

  • Arten- und Biotopschutz: Streuobstwiesen sind ähnlich aufgebaut wie natürlicher lichter Wald und werden von vielen Tier- und Pflanzenarten als Ersatzlebensraum angenommen. Der Reichtum an Kleinbiotopen (z.B. Baumhöhlen) steigert ihren ökologischen Wert. Sie sind Elemente der Biotopvernetzung in der freien Landschaft und Rückzugsgebiete für Arten der offenen Feldflur.
  • Landschaftsbild: Hochstämme unterschiedlicher Größe, Form und Verteilung und ihr jahreszeitlicher Farbwechsel beleben das Landschaftsbild. Streuobstwiesen binden Siedlungen harmonisch in die Umgebung ein und gliedern offenes Gelände.
  • Erholungsraum: Streuobstbwiesen vermitteln den Eindruck zugänglicher, erlebbarer Landschaft, da sie nicht umzäunt sind; stille Erholung (Spaziergänge und Naturbeobachtung) ist hier möglich.
  • Klimaschutz: Durch ausgleichenden Einfluss auf das örtliche Klima und Filterwirkung für Luftverunreinigungen erzeugen Streuobstwiesen Frischluft; starker Wind wird gebremst, die Umgebung vor Windschäden geschützt.
  • Boden- und Wasserschutz: Streuobstwiesen mindern besonders an Hängen die Bodenerosion, Humus wird angereichert, Wasser zurückgehalten; infolge geringer Nährstoffauswaschung wirken sie der Gewässerüberdüngung entgegen und sind damit Ausgleichflächen für den Naturhaushalt.
  • Schädlingsbekämpfung: Streuobstwiesen sind Lebensraum und Rückzugsgebiet vieler Nützlinge, die uns helfen die Zahl der Schädlinge auf natürliche Weise zu mindern.
  • Genreservoir: Die zahlreichen Obstsorten weisen hinsichtlich Reifetremin, Obstqualität, Schädlings- oder Krankheitsresistenz, Bodenanspruch, Klimatauglichkeit, Holzqualität usw. ganz unterschiedliche Eigenschaften auf und sind deswegen als Genreservoir für die Obstzüchtung wichtig.
  • Produktion: Streuobstwiesen liefern jahrzehntelang große Obstmengen vor allem für Getränke, aber auch Holz, Grünfutter oder Heu und sind eine wichtige Bienenweide.

Literatur: Plakat "Streuobstwiesen - Bedrohte Lebensräume erhalten", Hrsg. Ministerium für Umwelt Baden-Württemberg, 1992

 

Streuobstwiesen dienen dem Artenschutz

Durch seinen mehrstöckigen Aufbau bietet der Obstbaum für viele Tiere geeignete Lebensstätten.
Buchfink und Singdrossel brüten in den Baumkronen; andere Vogelarten, z.B. Turmfalke und Mäusebussard, brauchen die Bäume als Ansitz bei der Jagd. Auf Apfelbäumen wächst die Laubholz-Mistel, deren Früchte viele Vögel verzehren. Für Insekten und ihre Larven sind die Blätter Nahrung, Jagdrevier und Wohnort, wie z.B. für den Goldafter, die Blattläuse auf den Blättern, die sich von Pflanzensaft ernähren, dienen wiederum den Marienkäfern und Ohrwürmern Nahrung, ebenso sind die Larven der Florfliege gefräßige Blattlausjäger. Ebenso bieten die Blüten für den Apfelstecher und die Äpfel für den Apfelwickler den Lebensraum für die Entwicklung ihrer Larven. Die Blüten liefern Pollen und Nektar; Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, wie der Admiral und Schwebfliegen sind darauf angewiesen. Die Früchte sind wichtiger Nahrungsbestandteil vieler Vogelarten, und Fallobst bereichert z.B. den Speiseplan von Igel, Dachs und Reh. Siebenschläfer jagen im Geäst. In Baumhöhlen und größeren Astlöchern nisten z.B. Buntspecht, Gartenbaumläufer, Wendehals, Gartenrotschwanz und Steinkauz. Der Abendsegler hängt während des Tages kopfüber in Baumhöhlen und bringt auch dort seine Jungen zur Welt. Am Stamm finden sich Käfer, wie Bockkäfer und Laufkäfer, Ameisen, Asseln, und Holzwespen, wachsen Algen, Pilze, Flechten und Moose. Im Wurzelbereich leben Kleinsäugetiere wie Garten-Spitzmaus, Feldmaus und Igel; sowie Zaun- oder Waldeidechsen, Blindschleichen, Erdkröten, auch Regenwürmer und Nacktschnecken.

Ist der Obstbaum selbst schon Lebensraum und Lebensgrundlage vieler verschiedener Arten, trifft dies um so mehr für eine Streuobstwiese oder ein größeres Streuobstwiesengebiet zu. Der ökologische Wert wird hier gesteigert durch die Vielfalt an Obstarten bzw. -Sorten, deren verschiedene Größe, Altersstufe und Pflegezustände, durch die unterschiedliche Verteilung der Bäume je Parzelle, dazu noch durch die Wiesen, die gemäht (Grünfutter-, Heu- oder Mulchschnitt) oder beweidet werden und die eine Unzahl von Insekten hervorbringen, von denen sich wieder zahlreiche Vögel ernähren. So hat eine Untersuchung in einem 1,5 km2 großen Streuobstgelände bei Weilheim a. d. Teck gezeigt, dass dort 55 Vogelarten brüteten, davon 13 Arten der "Roten Liste".

abgeändert nach: Plakat "Streuobstwiesen - Bedrohte Lebensräume erhalten", Hrsg. Ministerium für Umwelt Baden-Württemberg, 1992



Jahreskalender einer Streuobstwiese


Mit dem Lehrpfad zwischen Waldshut-Eschbach und Waldshut-Gaiß möchten wir die Bedeutung des Streuobstes wieder bewusst machen und so zur Erhaltung des Streuobstanbaus beitragen.

Verlauf des Obstbaumlehrpfades

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